Der Einsatz von Gebärden, Bildsymbolen und dem Ganzwort

für Menschen, die sich nicht oder nur sehr unzureichend

mit Hilfe der Lautsprache ausdrücken können,

anhand eines Stundenplanes einer Schule

für Menschen mit geistiger Behinderung

 

Viele Menschen mit Behinderungen können sich nur eingeschränkt verbal verständigen; daraus entwickelt sich oft eine mangelnde Kommunikationsfähigkeit und Kommunikationsmöglichkeit, was gravierende Konsequenzen für den Umgang miteinander hat und zu Erschwernissen im sozialen Leben der Betroffenen führt.

Als ich eine neue Mittelstufenklasse übernahm, waren darin zwei Schüler, die kaum oder sehr undeutlich und wenig über Lautsprache verfügten. Ein Schüler gebärdete von sich aus immer wieder selbst, vor allem wenn er auf die Toilette musste. Daher kam mir der Gedanke, mich weiter und intensiver  mit dem Thema Gebärden zu beschäftigen.

Damit versuchte ich an unserer Schule einen kleinen Beitrag zu leisten und fing an, den Stundenplan der Klasse mit Gebärden und Symbolen und der Laut/ Schreibschrift zu kombinieren. Hiermit wollte ich auch  den Schwächeren die Möglichkeit geben, durch natürliche, anschauliche und gut ausführbare Gebärden und Bildsymbolen den Stundenplan an unserer Schule zu verstehen und zu lesen.

 

Gebärden als körpereigene Möglichkeit sind für viele Unterstützt Kommunizierende sehr wichtig. Sie lassen sich häufig schnell und effektiver als Kommunikationshilfen verwenden und sind - wenn man erst einmal nur die einfachen Gebärden einsetzt - schnell zu verstehen und zu lernen.

Gerade für unsere Schüler ist es wichtig, dass sie den Tag nicht unvorbereitet und völlig hilflos den Programmpunkten der Lehrer ausgeliefert sind, sondern dass sie auch aktiv verstehen können, welche Fächer auf dem Stundenplan stehen. Sie sollen dadurch mehr Selbständigkeit erlangen und Erfolge erzielen können und damit auch ein größeres Selbstbewusstsein gewinnen können.

Da ich auch noch Schüler in der Klasse habe, die schon relativ gut die Laut/ Schriftsprache verstehen und lesen können, habe ich mich dazu entschlossen, eine Kombination aus Gebärden, Bildsymbolen und Ganzwörter zu verwenden, damit alle Schüler mitlesen, mitverstehen und mithandeln können.

Somit können sie in jeder Situation lesen und verstehen, da wir ihnen mit Gebärden, Bildern und Wörtern den Stundenablauf vermitteln. So haben auch nichtsprechende Menschen die Möglichkeit, sich am Tagesablauf der Schule zu orientieren und ihn zu verstehen sowie mit zu planen, und fühlen sich nicht ausgeschlossen oder als etwas besonderes. Wenn sie den Stundenplan lesen können, können sie auch mitsprechen, ihn zu Hause, durch Gebärden und durch das Tagebuch weitererzählen. Größere Frustrationserlebnisse, wie z.B. das Vergessen des Badeanzugs, bleiben zunehmend aus. Denn auch Menschen, die nicht sprechen können, brauchen ihren Sprachraum.

Somit soll der Stundenplan als Einstieg jeden Morgen ein Ansatzpunkt und eine Wiederholung sein und alle Schüler der Klasse gemeinsam mit Gebärden den Tag beginnen. Alle Begriffe sind auf den Stundenplan und die dazugehörigen Fächer in unserer Schule abgestimmt. Zu jeder Zeit ist dies zu erweitern oder auch zu verändern. Bei der Auswahl der verschiedenen Gebärden, die momentan angeboten werden, haben wir uns auf die Gebärden in „Schau doch meine Hände an“ aus „Haslachmühle“ entschieden, da sie sehr einfach sind und leicht mit den Bildsymbolen aus den Quellen der „Übungsreihe für Geistigbehinderte lesen ihren Stundenplan“ zu kombinieren sind und man sie gut verstehen und auch nachvollziehen kann.

Diese einfach strukturierten Gebärden wurden auch noch mit dem geschriebenen Ganzwort kombiniert, so dass der Schüler nicht nur die Gebärde und das Bildsymbol hat, sondern auch noch das Wort dazu sehen bzw. lesen oder lernen kann. So können wir allen Schülern der Schule einen Stundenplan zum Lesen bzw. zum Verstehen anbieten.

Nichtsprechende Menschen mit einer geistigen Behinderung wechseln auch im Laufe der Jahre die Klassen; deswegen war es uns wichtig, dass diese Form der Kommunikation in allen Klassen verwendet werden kann. Daher gibt es die Möglichkeit, den Stundenplan mit der Schrift, dem Bild und der Gebärde zu kombinieren und dies könnte auch eine erste einfache Einstiegsmöglichkeit für alle Lehrer und Schüler an der Schule bedeuten, die dann mit Gebärden weiter arbeiten wollen.

Diesen Stundenplan bekommen alle Schüler dann mit nach Hause und können ihn auch im Klassenzimmer jeden Tag von neuem lesen und verstehen, womit auch eine Wiederholung gewährleistet ist. Ebenso ist gewährleistet, dass alle Klassenkameraden mit dem gleichen Stundenplan arbeiten und somit alle Schüler ihn verstehen und die nichtsprechenden Schüler mehr aus der Isolation heraus kommen und in Kommunikation mit allen treten können.

Der Tages- bzw. der Wochenablauf kann somit als Kommunikationseinstieg für alle und zum Erlernen von Gebärden für alle genutzt werden.

 

Warum habe ich gerade mit dem Stundenplan als Gebärden einstieg begonnen? Ein Stundenplan ist ein genau festgelegter Ablauf von Handlungen. Er strukturiert den Tages- und Wochenrhythmus. Der Schüler bezieht die Zeit in seine täglichen Handlungen und Erlebnisse zunehmend mit ein. Er erwirbt anschaulich und praktisch allgemeine Zeitbegriffe und entwickelt ein persönliches Zeitbewusstsein.

Durch das Bewusstmachen von Tagesabschnitten lernt der Schüler Gesetzmäßigkeiten des Tages kennen, aber auch die Möglichkeit, sich Tagesabschnitte selbst zu gestalten.

Er nimmt den geregelten Tagesablauf zunehmend deutlicher wahr, erfasst und beachtet ihn in seiner Bedeutung. Durch das tägliche Erleben der Regelmäßigkeit von Gebärden werden dem Schüler Hilfestellungen gegeben, diese schneller und leichter zu lernen und somit selbstverständlicher anzuwenden.

Die einzelnen Tageszeiten und Tagesabschnitte werden mit konkreten Ereignisse verbunden, den einzelnen Unterrichtsabschnitten werden bestimmte Tätigkeiten oder Inhalte zugeordnet.

Die Schüler lernen nicht nur Gebärden und Bildsymbole, sondern auch Zeitbegriffe wie nachher, später oder morgen schneller kennen und verstehen.

Außerdem lernen sie lesen und verstehen, denn Lesen beinhaltet das Wahrnehmen und Deuten von nichtsprachlichen und sprachlichen Zeichen. Lesen ist neben dem Sprechen und Schreiben eine kommunikative Technik auf der Basis der Kommunikation. Die Sinnentnahme aus optischen Zeichen meint nicht allein Sinnentnahme aus Buchstaben und Wörtern, sondern auch aus anderen „Sinnträgern“, z.B. aus Gegenständen, Vorgängen und Tätigkeiten und deren bildhaften Darstellungen.

Das Symbolverständnis auf vorsprachlicher Ebene wird gefördert, indem die Schüler den Bildern Informationen entnehmen und danach handeln. Sie ordnen Bilder zu einer Bildreihe und zwar in zeitlicher Abfolge.

Die Schüler legen den Stundenplan mit Symbolen, Bildern, Wortkarten und orientieren sich an den Ganzwörtern.

Der Stundenplan der Klasse hängt ganz groß an der Wand und wurde mit Bildsymbolen und den entsprechenden Gebärden gestaltet.

Jeder Wochentag läuft von links nach rechts, damit die Schüler ihn wie beim lesen verstehen und auch selbst lesen können.

 

 

Jeder Schüler hat sich ein eigenen Stundenplan für jeden Tag als Buch gestaltet und hat ihn so auch zu Hause hängen.

 

Im weiteren Anhang finden sie nun zwei Beispiele von Symbolen und  Gebärden, die wir verwendet haben um mit den Schülern einen eigenen  verständlichen Stundenplan zu gestalten .

 

 

Quelle:     Übungsreihen für Geistigbehinderte

         -   Geistigbehinderte lesen ihren Stundenplan -

-          Gebärdenbuch-Schau doch meine Hände an-

-          Haslachmühlen-

 

 

Weitere Gebärden und Bildsymbole finden sie im Internet auf unserer Schul- Homepage unter:

http://www.gustav-werner-schule-rottweil.de

Ansprechpartnerin :

Claudia Bohnert, Gustav-Werner-Schule Rottweil

Tel: 0741/ 53520

 

 

zum ausführlicheren Text mit mehr Beispielbildern (*.pdf)